Information zur Lehrveranstaltung - Sachverständiger
- Veranstalter
- Der Lehrgang wird von der AG Sonder- und Heilpädagogik des Instituts für Bildungswissenschaft der Universität Wien in Kooperation mit der Arbeitsgemeinschaft Psychoanalytische Pädagogik veranstaltet.
- Lehrgangsleitung: Ao Univ. Prof. Dr. Wilfried Datler, Univ. Doz. Dr. Helmuth Figdor
- Lehrgangsziele
- Ziel des Kurses ist die Vermittlung von Fachkompetenz zur Ausübung von Sachverständigentätigkeiten im Rahmen des Fachbereichs 13.07 „Erziehungs-beratung: Obsorge, Besuchsrecht, Fremdunterbringung, Kindeswohl“.
- Der Kurs nimmt sowohl auf konventionelle Methoden und Vorgangsweisen (Gutachten-erstellung), als auch auf prozess- bzw. lösungsorientierte Konzepte Bezug.
Der Lehrgang vermittelt Erkenntnisse und Kompetenzen, die für die wissenschaftlich fundierte Ausübung der Sachverständigentätigkeit konstitutiv sind.
- Insbesondere wird der Berücksichtigung der Entwicklungsinteressen von betroffenen Kindern und Jugendlichen Raum gegeben. Aktuelle Erkenntnisse über die psychodynamischen Verstrickungen betroffener Personen werden gelehrt, um die Sachverständigentätigkeit in den Dienst der Eröffnung oder Sicherstellung von neuen Entwicklungsmöglichkeiten zu stellen.
- Aufbau und Zeitplan
- Der Lehrgang erstreckt sich über WS 06 und SS 07 und besteht aus 7 Modulen.
- Module 1 - 4 und 6 bauen auf dem jeweiligen Vorgängermodul auf, wodurch sie an eine stringente Abfolge gebunden sind.
- Module 5 kann zeitlich flexibler abgehalten werden. Modul 7 schließt an den absolvierten Kurs an.
- Inhalte der Module
- Juristische Grundlagen: Gesetzlich vorgegebene Rahmenbedingungen, Aufgaben und Grenzen der Gutachtenerstellung
- Darstellung der gegenwärtigen Sachverständigenpraxis
- Impulsreferate von derzeit tätigen Sachverständigen
- Analyse der aktuell gegebenen Gutachtertätigkeit
- Kritische Analyse der derzeitigen Vorgangsweise/Praxis I
- 1. Teil: Ergebnisse der Evaluationsstudie von Univ. Prof. Dr. Friedrich
- 2.Teil: Ergebnisse einer repräsentativen Richterbefragung in Deutschland - empirische Studie von Prof. Dr. Uwe-Jörg Jopt „Funktion und Rolle des psychologischen Sachverständigen am Familiengericht aus richterlicher Sicht“
- Kritische Analyse der derzeitigen Vorgangsweise/ Praxis II: „Lässt sich das Kindeswohl quantifizieren?“
- Qualitätskriterien von Gutachtertätigkeiten - theoretische, methodische und ethische Aspekte
„Wie kann ein theoretisch, methodisch und ethisch verantwortbares Gutachten aussehen?“
Ablauf: Präsentation und Problematisierung von vorgestellten Gutachten, Bildung von Arbeitsgruppen
Selbständiges Arbeiten der Arbeitsgruppen. Wie kann man mit den dargestellten Problemfeldern umgehen?
Präsentation d. Ergebnisse d. Arbeitsgruppen
Arbeitsgruppen erstellen Gutachten
Präsentation von verschriftlichten Gutachten in der Großgruppe
- Fachwissenschaftliche Grundlagen und neueste wissenschaftliche Erkenntnisse bezüglich „Erziehungsberatung: Obsorge, Besuchsrecht, Fremdunterbringung, Kindeswohl“
- Was bedeuten Gerichtsverfahren im Allgemeinen und die Einschaltung von Sachverständigen im Besonderen für Kinder?
- Gutachterlicher Umgang mit dem Verdacht auf sexuellen Kindesmissbrauch im Kontext von Trennung und Scheidung
- Differenzierte Betrachtung von Obsorgeformen
- Die Bedeutung von Kontinuität/ Diskontinuität in kindlichen Beziehungen zu Eltern
- Gewalt in der Familie
- Psychisch kranke Eltern
- Neuere diagnostische Verfahren
- Aufgaben der JWF, Institutionenkunde
- Alternative Formen der Gutachtenerstellung und Alternativen zur Gutachtenerstellung
- Der Sachverständige nimmt sich auf Gerichtsbeschluss der Familie an
- Chancen, Möglichkeiten und Schwierigkeiten der Zwangsberatung
- Selbsterfahrung
- Mit dem Erwerb der Bestätigung über einen erfolgreichen Abschluss des Kurses gehen die TeilnehmerInnen die Verpflichtung ein, ihre ersten Fälle in einer fortlaufenden, mindestens einjährigen, Supervisionsgruppe einzubringen.
Im Zuge dieser Selbsterfahrung sollen Gegenübertragungsprozesse analysiert werden und ihre Verwendung einer Reflexion unterzogen werden.
- Aufnahmekriterien und Teilnehmerbeschränkung
- Die maximale Teilnehmerzahl beträgt 15 Personen.
- abgeschlossenes Studium der Erziehungswissenschaft, der Psychologie oder eines vergleichbaren Studiums
- ausgewiesene Zusatzqualifikationen mit Selbsterfahrungselementen in den Bereichen Erziehungsberatung und/oder Kinder- und Jugendpsychotherapie und/oder klinisch-psychologische Diagnostik
- 5 Jahre Berufserfahrung in verantwortlicher Stellung
- Arbeit mit Kindern/Jugendlichen und ihren Familien im Zusammenhang mit Trennung/Scheidung und/oder Tätigkeit in Bereichen der Jugendwohlfahrt
- Über die Aufnahme in den Kurs entscheidet die Lehrgangsleitung.
- Information zur Eintragung zum gerichtlich beeideten und zertifizierten Sachverständigen
- Für die Klärung von fachspezifischen Fragestellungen kann vom Gericht ein Sachverständiger herangezogen werden.
- Dieser zeichnet sich durch seine besondere Qualifikation und sein herausragendes Wissen aus. Er hat für das Gericht eine methodisch und wissenschaftlich begründete Entscheidungshilfe zu übermitteln, die aufgrund von Theoriebezogenheit und eigener Datenerhebung zur Lösung eines Problems herangezogen wird.
- Dafür kann das Gericht entweder auf Fachleute zurückgreifen, die für ihr besonderes Wissen auf einem Fachgebiet bekannt sind und diese für ein spezielles Verfahren beeiden oder einen eingetragenen, gerichtlich beeideten und zertifizierten Sachverständigen anfordern.
- Für eine etwaige Eintragung ist das Landesgericht, das für den Wohnort des Antragstellers zuständig ist, zu kontaktieren. Die Unterlagen und Bedingungen für die Eintragung und Zertifizierung sind dort erhältlich.
- Im Lehrgang werden für den Fachbereich 13.07 die entsprechenden Zusatzqualifikationen vermittelt, so dass sie für jene, die eine Eintragung anstreben oder vereinzelt als Sachverständige tätig sein wollen, einen Qualitätsnachweis darstellen.
- Weitere Informationen darüber gibt es im Lehrgang.
- Vortragende und Referenten
- Dr. Rainer Balloff, Dr. Peter Barth, Mag. Evelin Brehm, Ao Univ. Prof. Dr. Wilfried Datler, Univ. Doz. Dr. Helmuth Figdor, Prof. Dr. Urte Finger-Trescher, Univ. Prof. Dr. Max H. Friedrich, Mag. Dr. Janicek, Prof. Dr. Uwe-Jörg Jopt, Prim. Dr. Werner Leixnering, Mag. Franz Mauthner, Univ.-Lektor Dr. Uta Rothmayr, Mag. Dr. Sabine Völkl-Kernstock, Prof. Dr. Wirsching
- Veranstaltungsort
- Neues Institutsgebäude, Universitätsstr.7, 1010 Wien
- Kontakt bei Anfragen